Anleitung zum glücklichsein:

5. netzwerktreffen der vorarlberger ausbilder am 8. mai 2019


 

Wie definieren wir Glück und Zufriedenheit? Was ist notwendig, dass wir uns glücklich fühlen? Mit fundiert wissenschaftlichen Fakten, gleichzeitig aber auch verblüffend simplen Methoden sowie persönlichen Erfahrungen aus seiner Tätigkeit näherte sich Bertram Strolz diesen wichtigen Themen. Schon seine Einstiegsübung brachte die zahlreichen Teilnehmer auf einen positiven Kurs: Notiere zwei positive Momente, die du heute erlebt hast. Anschließend erzähle deinem Sitznachbar davon. "Schon beschäftigt sich unser Hirn mit positiven Themen", so Strolz. "Darüber hinaus werden durch das Teilen dieser Erfahrungen noch mehr Glückshormone ausgeschüttet."

Dadurch lässt sich auch dauerhaft die Wahrnehmung beeinflussen. Der Mensch sei ja schon durch die Evolution auf Schutz, Sicherheit und Skepsis ausgelegt. Überall könnten Gefahren lauern. Beschäftigt man sich aber täglich mit glücklichen Erlebnissen, trainiert man sein Gehirn darauf, solche Momente verstärkt zu suchen und zu sammeln. Denn gemessen an einer Glücksgefühl-Skala von -10 bis +10 beschreibt eine 0 den "alles okay"-Zustand, während man sich im negativen Bereich schrittweise über Depressionen bis hin zum Burn out bewegt. "Die Forschung der positiven Psychologie beschäftigt sich seit 1998 mit dem positiven Bereich. Allerdings werden negative Erfahrungen nicht ignoriert oder schöngeredet. Wir wollen vielmehr ein positives Verhältnis herstellen."

 

"Glücksgefühle sind messbar"

In Folge dessen kehrte Strolz zur Ausgangsfrage zurück, indem er das PERMA-Modell von Forscher Martin Seligman vorstellte, der damit die positive Psycholigie ins Leben rief. Demnach sind für ihn positive Emotionen, Engagement, Beziehungen (Relationships), Sinn (Mean) und Zielerreichung/Leistung (Accomplishment) die fünf Eckpfeiler, um ein erfülltes, glückliches Leben zu führen. "Darüber hinaus lässt sich Glücklichsein leicht messen, indem wir Hirnströmungen analysieren. Glücksgefühle entstehen aufsteigend bei Freude, Interesse, Inspiration, Vergnügen, Heiterkeit, Stolz, Ehrfurcht und Hoffnung. Liebe fasst dies alles zusammen - nicht nur die körperliche, auch die Liebe zu einer Tätigkeit, einem Objekt oder einem Beruf."

Die stärkste Empfindung sei mit Abstand aber die Dankbarkeit. Somit folgte Übung Nummer zwei: Alle Teilnehmer sollten zwei Dinge aufschreiben, für die sie im Leben dankbar seien und wiederum darüber erzählen. Unschwer zu erraten, dass die "good vibrations" im Saal der Wirtschaft nahezu greifbar waren. "Jeder von euch hat bestimmt eine Person im Leben, der er schon immer Danke sagen wollte. Stellt euch vor, ihr schreibt dieser Person einen Brief, in dem das steht. Ihr bringt ihn persönlich vorbei. Und wenn ihr eine Gefühlsexplosion wollt, lest ihr ihn der Person sogar vor." All dies sei Nahrung fürs seelische Wohlbefinden. Folglich würde erwiesenermaßen auch die körperliche Gesundheit steigen.

Zum Abschluss wies Betram Strolz noch auf den Kongress der positiven Psychologie hin, der von 1. bis 4. Juli in Vorarlberg stattfinden wird. Infos findet man hier.

 

"Erleben junge Leute diese Gefühle, geht die Post ab!"

Nach diesen eindrucksvollen persönlichen Eindrücken war es nicht schwer, diese Emotionen für die Lehrlingsausbildung umzumünzen. "Viele Begriffe wie Stolz, Ehrfurcht oder Dankbarkeit mögen altmodisch klingen. Aber es ist genau das, was unsere Jugend derzeit gut gebrauchen kann. Und das meine ich im positiven Sinne: Gebt jungen Leuten diese Emotionen. Fördert eine aktive, positive Kommunikation. Zeigt ihnen einen Sinn in ihrem Tun, Dankbarkeit, Stolz, schenkt ihnen Freude. ich kann euch versprechen: Erleben sie diese Gefühle, geht die Post ab!"

Zwar lasse sich der Charakter eines Menschen nicht ändern, wohl aber sein Handeln, seine Reaktionen und sein Umgang im Alltag. Strolz erklärte dies anhand einer Reaktions-Spirale: Wir erleben eine Situation, bewerten diese, lösen damit ein Gefühl aus und handeln danach. Je zufriedener oder glücklicher ich gestimmt bin, umso positiver fällt die Handlung aus. "Dadurch kann ich beeinflussen, ob ich bei einem entstehenden Stau hupe, mich ärgere und auf das Lenkrad schlage, oder ob ich die Zeit sinnvoll nutze und Anrufe erledige."

 

Nächstes Treffen im September

Das Netzwerktreffen der Vorarlberger Ausbilder - eine Initiative von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Land Vorarlberg, fand zum 5. Mal statt. Michael Moosbrugger (WKV, Bildung) und Markus Curin (Lehre in Vorarlberg) begrüßten die Teilnehmer, Kerstin Lubetz (Felder Projekte) führte durch den Abend. Im Anschluss sorgte die WIFI-Wirtschaft unter Wolfgang Preuß für eine feine Verpflegung beim Netzwerken. Die nächste Veranstaltung wird im September stattfinden. Zeit und Ort werden hier auf der Website noch bekannt gegeben.

Fotos: M. Curin

 


Review: 4. netzwerktreffen der vorarlberger ausbilder

 

Kerstin Lubetz moderierte auch dieses Mal die Veranstaltung. Sie ist Coach für systemische Organisationsberatung, Expertin für Jugendbeteiligung und Moderatorin und arbeitet bei felder Projekte (www.felder.cc).

 

Es referierte Direktor Gerd Sauerwein, Leiter der Polytechnischen Schule in Feldkirch seit 2008. 

Nach einer kurzen Einführung mit Zahlen, Daten und Fakten zu den Polytechnischen Schulen in Vorarlberg gab er einen Überblick über die bisherigen Entwicklungen.


„Sind Ausbilder und Erzieher zugleich“

Die Polytechnischen Schulen als Partner für Jugendliche und Betriebe standen beim Treffen der Vorarlberger Ausbilder im Mittelpunkt.

 

Unterhaltsamer Vortrag, Erfahrungsaustausch, Lösung gemeinsamer Herausforderungen – auch die 4. Auflage des Netzwerktreffens der Vorarlberger Ausbilder entwickelte sich zur Mehrwert-Veranstaltung für alle Beteiligte. Knapp 90 Teilnehmer bekamen im Montfortsaal des Landhaus Bregenz einen direkten Ein- und Überblick, was die wertvolle Arbeit der Polytechnischen Schulen in Vorarlberg betrifft.

Nach der Begrüßung durch Michael Tinkhauser (AK) und Landesrätin Barbara Schöbi-Fink, brachte Gerd Sauerwein, Direktor der PTS Feldkirch, mit seinem Vortrag und wissenswerten Fakten die Situation auf den Punkt: 90% der Schüler beginnen direkt mit einer dualen Ausbildung, 40% aller Berufsschüler sind Absolventen der Polytechnischen Schule. Vorarlberg ist damit Spitzenreiter in Österreich. Das sei angesichts der Ausgangslage schon eine Herausforderung, denn bis auf wenige Ausnahmen entscheiden sich vor allem Schüler mit Lernschwierigkeiten für die die PTS, um die 9. Schulstufe abzuschließen. Knappe Mittel und mangelnde Lobby sind dabei alles andere als hilfreich.

Dabei bietet kein Schultyp eine vergleichbare berufs- und praxisnahe Ausbildung“, so Sauerwein. „Wir sind nicht umsonst einer der wichtigsten Schnittstellen zwischen Ausbildung und Unternehmen.“ Dank dutzender Schnuppertermine, zahlreichen Stunden an Berufsorientierung und individueller Bereuung soll jeder Schüler seine Stärken entdecken, und auch seine Möglichkeiten im Land. Digitale Services, neue Lern-Tools, positive Psychologie und vor allem sprachsensibler Unterricht führten zuletzt zu großen Fortschritten. In Zukunft wolle man diese positiven Erfahrungen dank Schüler- und Unternehmer-Feedback verstärkt in die Öffentlichkeit tragen, um diese Erfolge auch sichtbar zu machen.

Um gerade die Kooperation mit Unternehmen zu verbessern, erfolgte im Anschluss an den Vortrag eine Gruppenarbeit. Alle anwesenden Ausbilder konnten gemeinsam mit den Direktoren der Polytechnischen Schulen Wünsche und Anregungen erörtern und formulieren. Unter den Ausbildern waren u.a. Vertreter von Doppelmayr Seilbahnen, Sparkasse Feldkirch, Rondo Ganahl, Autohaus Gerster, Meusburger, Russmedia, Alpla, Bertsch Energy oder Zumtobel. Das Netzwerktreffen der Ausbilder ist eine Initiative von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Land Vorarlberg und eine weitere Maßnahme, aktiv dem herrschenden Lehrlings- und Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

Die nächste Veranstaltung findet am 08. Mai statt.

Bildnachweis: Land Vorarlberg/A. Serra


Rückblicke & Bilder der letzten treffen


Wie der Einstieg gelingen kann

Ausbildernetzwerk von AK und WK traf sich zum dritten Mal und reflektierte Lehrpläne und Einstiege

 

Udo Messner, Ausbildungsleiter bei Doppelmayr, stellte uns die Lehrlingsausbildung bei Doppelmayr vor und gab Einblicke in deren aktuelle Projekte in der Lehrlingsausbildung.

 

Das methodische und theoretische „A bis Z“ gibt uns Kerstin Lubetz: Sie ist Coach für systemische Organisationsberatung, Expertin für Jugendbeteiligung, Moderatorin und leitete durch das Treffen.


 

 

Es ist ein Sinnbild: So wie die Lehrwerkstatt bei Doppelmayr gerade umzieht – da wird gebohrt und gehämmert, dass es eine Art hat – so ist auch die Lehrausbildung an sich im Umbruch. AK und WK haben deshalb das Ausbildernetzwerk ins Leben gerufen. Zum dritten Mal dachten an die 70 Frauen und Männer aus vielen Firmen gemeinsam über ihre Tätigkeit nach. Der Wolfurter Seilbahnbauer war diesmal Gastgeber.

 

Das Ausbildernetzwerk lebt vom Austausch. Niemand anderer gibt die Themen vor als die Ausbilder selber. Also: Anfang und Planung. Darum ging’s in Wolfurt. Kerstin Lubetz ist systemische Organisationsberaterin. Sie bringt zudem aus dem Jugendbereich viel Erfahrung mit. Für das Ausbildernetzwerk greift sie auf eine Studie aus 2016 zurück. Damals sind über 1000 Betriebe über die Lehre befragt worden. Deutlich wurde, dass gezielte Ausbildungsplanung enorm dabei hilft, den Gestaltungsspielraum auszunützen. „Lehrlinge können dadurch schneller anspruchsvolle Tätigkeiten durchführen.“ Das motiviert sie.

 

Erika Heidinger und Markus Felder können das nur bestätigen. Beide sind als Ausbildungsberater im ganzen Land unterwegs. Sie tragen einen ganzen Koffer voller Ideen in die Firmen und auch modellhafte Ausbildungspläne, die das einzelne Unternehmen für sich anpassen kann.

 

Gute Planung ist ein vielschichtiges Geschäft. Bei Zumtobel sind sie laut Personal- u. Organisationsentwicklerin Christine Reumiller sehr darauf bedacht, die Rotationspläne auf die Fähigkeiten und Interessen der Lehrlinge abzustimmen. Marcel Fink von Gebrüder Weiss, der vor zwei Jahren selber noch Lehrling war, wirft ein, dass ein Rotationsplan leben muss. Das bedeutet: Der Plan muss offiziell sein und öffentlich zugänglich. Denn die oft beschworene Flexibilität klappt nur, wenn alle Beteiligten Bescheid wissen. Gute, klare Kommunikation schimmert wie das Wasserzeichen durch den Geldschein durch alle Überlegungen.

 

Deren Wert betont auch Udo Messner. Er leitet die Lehrlingsausbildung bei Doppelmayr. Anfang des Jahres haben die Wolfurter einen Mega-Auftrag im Herzen Russlands an Land gezogen. Bald schon wird ein Cable Car von Doppelmayr das Leben auf dem Moskauer Flughafen Sheremetyevo mit seinen stündlich bis zu 70 Starts und Landungen wesentlich erleichtern. Auch Lehrlinge werden sich da ihre Sporen verdienen. Bei Doppelmayr kommen sie frühestmöglich mit ihrem späteren Arbeitsumfeld in Berührung.

 

Das geschieht eigentlich schon am zweiten Tag. Denn Udo Messner hat mit seinem Team die Ausbildung umgekrempelt. Den Ausschlag gaben ehemalige Lehrlinge, die ihm erzählt haben, wie sie der Eintritt ins Unternehmen damals heillos überfordert hat. Klar, man will und muss gleich anfangs Orientierung schaffen. Ein gutes Ankommen verlangt danach, dass der Lehrling die Organisation des Unternehmens, das Team, den Rahmen seiner Tätigkeit und seine Aufgaben kennenlernt. „Früher haben wir deshalb den Neuen am ersten Tag alle Lehrberufe vorgestellt.“ Der erste Tag war vollgepackt mit Information. Heute geht Doppelmayr andere Wege: Die künftigen Stahlbauer hat Messner heuer erstmals nach einem Willkommenstag gleich direkt in ihre späteren Werkhallen geschickt. Der Sprung ins kalte Wasser hat sich bewährt.


wie motiviert man junge menschen?

Tritte und Karotte sind von gestern  –  70 Lehrlingsausbilder erarbeiteten am 5. April bei Haberkorn mit Robert Pakleppa neue Ideen

 

Robert Pakleppa leitete die Lehrlingsausbilder durch einen interaktiven Abend: Anhand von theoretischen Inputs und gemeinsamer Diskussion erarbeiteten sie, wie Motivation überhaupt entsteht, vor allem bei jungen Menschen. 

 

Janine Decarli, Personalmanagerin bei Haberkorn, erzählte den Anwesenden, was hinter dem Claim "Mach deine Lehre fürs Leben" steckt. Sie stellte das Gastgeberunternehmen Haberkorn vor. 


Man braucht ja nicht viel: Eine Holztafel und zwei Stühle, schon hat man einen Besprechungstisch. Packpapier und Stifte. Und Ideen, die vor allem. Das Ausbildernetzwerk Vorarlberg traf sich diesmal bei Haberkorn in Wolfurt. Robert Pakleppa gab den Ton an. Der ist Sozialpädagoge. Hat fünf Jahre lang mit den ganz schweren Jungs gearbeitet. An denen jede Motivation abperlt wie Sommerregen. „Langzeitschulverweigerer“ heißen sie in Deutschland. „Aber auch die müssen einen Platz finden im Leben.“ Mehr noch: „Sich eines Tages so wertgeschätzt fühlen, dass sie selber etwas geben können.“ Darum geht es. Deshalb sind rund 70 Lehrlingsausbilder hier. Sitzen nach einem langen Tag jetzt bei Haberkorn, und warten, was da kommen mag. Aber lange warten sie nicht. Es geht Schlag auf Schlag.

 

Ausbilderin stellt Firma vor

Zunächst ist Janine Decarli am Wort. Sie leitet die Ausbildung bei Haberkorn. Hat vor zwei Jahren selber erst ihre Lehre abgeschlossen. Jetzt ist sie für die 13 angehenden Großhandelskaufleute und die drei künftigen Betriebslogistiker zuständig. Eine zierliche Person, die „ihre“ Heimat Haberkorn so begeistert vorstellt, dass sich die Zuhörer denken: „Wow. So einen Lehrling hätt‘ ich auch gern.“

Sie legt die Schiene ins Thema. Bei Haberkorn haben die allerlei Goodies für die Jungen: Mittagessen um 1,50 Euro, Prämien, gratis Arbeitskleidung. Und Zeit. Sie reden miteinander. Das ist Decarli wichtig. 

 

„Was für ein Geschenk“

Pakleppa kann da gut anknüpfen. Sein ältester Sohn ist selber Lehrling. Fährt jeden Tag von Lindau über die Grenze und kehrt müde, aber zufrieden wieder heim. „Es ist ein Geschenk, wie er begeistert wird.“ Aber wie geht das nun, das Begeistern? Früher waren die Modelle einfach. Der Mensch wurde wie ein Esel behandelt, dem man entweder die Karotte vor die Nüstern hängt oder ihn ordentlich in den Hintern tritt. So funktionierte Motivation in den 1930er Jahren. Sie geistert da und dort noch durch die Werkhallen. Aber meistens ist die Sicht doch differenzierter.

Der junge Mensch hat Bedürfnisse. Er will Sicherheit, einen ordentlichen Lohn, Anerkennung, soziale Eingebundenheit. Erst, wenn das gegeben ist, wächst er über sich selbst hinaus. Erst dann kann er Handlungsspielräume ausnützen, weiß er Selbstverantwortung zu schätzen. Und er braucht Vorbilder. Das zielt direkt auf die 70 Ausbilder im Workshop ab. Um andere beispielhaft zu motivieren, muss man selber motiviert sein. Und, sind sie’s?

Eine Stunde später. Strichmännchen laufen übers Papier. Ideen nehmen Form an. Manch einer trägt ein festes Vorhaben nachhause. Julian Brunner von der EHG zum Beispiel. Der möchte, dass künftig seine Lehrlinge Besucher durchs Dornbirner Stahlzentrum führen. So wie bei Haberkorn. Aber können die das auch? „Na klar, die werden das mit Stolz machen.“ Nicole Girtler wiederum leitet die Ausbildung bei Rondo. Sie will künftig noch eingehender hinterfragen, weshalb sich ein Lehrling gerade so verhält und nicht anders. Denn es gibt immer Gründe. Sie liegen nur nicht immer auf der Hand.

 


Julian Brunner von der Firma EHG Stahlzentrum in Dornbirn war auch dabei.

Das nehme er vom Abend mit: Wie bei Haberkorn sollen in Zukunft auch bei ihnen die Lehrlinge ihre Besucher durch die Firma führen.  

 

Nicole Girtler von der Firma Rondo in Frastanz hatte einen spannenden Abend. Sie wolle, nach Robert Pakleppas Vorschlag, öfter hinterfragen, warum sich manche Lehrlinge so verhalten und nicht anders.


Langer, lohnender Weg

 

Es gibt auch Lehrlinge, die es einem gar nicht leicht machen. Robert Pakleppa weiß das nur allzu gut. Schwierige Gestalten sind das. Die man trotzdem mögen muss. Aber wie? Er macht das so: Steckt sich ein kleines Notizbuch ein und notiert jeden Tag, „was heute gut war an ihm“. Das ist manchmal ein langer Weg. Aber Lehre ist Beziehung. Das ist nicht immer einfach. Aber es lohnt sich.


Rückblick: AUFTAKTVERANSTALTUNG DES NEUEN NETZWERKS

6. Dezember 2017 // Liebherr, Nenzing

 

Univ. Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger

„Alles Durchschnitt oder was?

Das Mittelmaß umschiffen und Talente entdecken“

 

Otmar Meyer

Liebherr Nenzing

Leiter der Lehrlingsausbildung bei Liebherr  

Vorstellung der Lehrlingsausbildung


„Und warum kann der Lionel Messi das?“

Oh, wir haben viel nicht in Österreich. Wir haben kein Öl wie die Araber. Sind auch kein Billiglohnland. „Aber wir haben Talente.“ Man muss sie nur fördern. Der Genetiker und Bestsellerautor Prof. Markus Hengstschläger verpasste dem neuen Netzwerk „Ausbilder Vorarlberg“ zum Start einen gewaltigen Kick.

 

Er weiß schon, wie er sein Publikum holt. Lachen und Raunen hört man im Saal, als Markus Hengstschläger über Lionel Messi spricht. Den Star von Barcelona. Er hat sein letztes Match gesehen. „Wie der 60 Minuten lang den anderen beim Spielen zugeschaut hat und dann drei Tore geschossen hat, weil er zur WM fahren will.“ Und jeder fragt sich: Wieso kann der das? Die gängige Antwort legt Hengstschläger – bis ins Lächerliche gedehnt – in den Saal: „Entweder man hat‘s … oder man hat‘s nicht.“ 

Falsch! „Wir dürfen nicht alles auf die Gene schieben.“ Jeder Mensch hat 23.000 davon. Aber sie machen nur 0,1 Prozent der Unterscheidung aus. Das kleine Päckchen Individualität, das uns die Natur mitgegeben hat, ist aber nichts wert, wenn wir nicht beständig daran arbeiten.

 

Nur die Schwächen im Visier  

 

Blickt Hengstschläger in die Zukunft, sieht er zwei Varianten: Die vorhersehbare, auf die man sich vorbereiten kann. „Das ist die Pflicht.“ Und die unvorhersehbare Zukunft. Die Entwicklung der Industrie im neuen Zeitalter der ultimativen Vernetzung, ob die wohl 25, 30 Prozent der Jobs kosten wird? Niemand weiß es. Deshalb sein Appell an die über 100 Ausbilder im Saal: Bringt der nächsten Generation vor allem Flexibilität bei. Das ist die Kür. Denn „jeder Mensch hat sein angeborenes Rüstzeug“. Wir aber haben uns leider angewöhnt, immer nur auf die Schwächen zu schauen. 

 

Zweierlei ist heute schon klar 

 

Das brandmarkt Hengstschläger als das Grundübel. Dafür zitiert er Seneca. Der römische Philosoph und Politiker schrieb vor rund 2000 Jahren: „Die Talente der Gegenwart kommen nicht zum Erblühen, weil ihnen die ältere Generation permanent Angst vor der Zukunft hat.“ Stattdessen sollte man ihnen Mut machen! Die Jungen brauchen zweierlei: Ungekünstelte Auskunft über ihre Stärken und Schwächen. „Seien Sie ehrliche Ausbilder.“ Und Teamfähigkeit. „Denn wenn ich weiß, was ich kann, muss ich ein Team bilden mit Menschen, die das können, was ich nicht kann.“ So wird man unschlagbar.

 Ausbildungszentrum soll bis 2021 stehen

 

Der Gastgeber, Firma Liebherr, investiert gerade kräftig in die Zukunft. 2021 soll das neue Ausbildungszentrum stehen. Es wird „elf bis zwölf Millionen Euro kosten“. Mit Ausbildungsleiter Otmar Meyer präsentierte ein Vollprofi seinen Kollegen aus den verschiedensten Branchen die Lehrlingsausbildung beim Kran- und Baumaschinenhersteller. 

 

Nur 19 Lehrabbrecher  

 

In Zahlen sieht das so aus: „Von 160 Schnupperlehrlingen pro Jahr stellen wir 30 bis 35 ein.“ Im Augenblick kümmern sich 15 hauptberufliche Ausbilder um 127 Lehrlinge in sieben Lehrberufen. In seinen 38 Jahren Berufserfahrung hat Liebherr 750 Lehrlinge ausgebildet, nur 19 Lehrabbrecher hat Meyer in Erinnerung. Er bringt die Idee einer Übungsfirma aufs Tapet, in der Lehrlinge auch Krankenstände und Produktionspläne selber verwalten könnten. Das erzeugte unbezahlbare Aha-Effekte.

 

„Niemand muss ständig das Rad neu erfinden“

 

Stefan Kohler (Meusburger) und Emanuel Immler (Alpla) finden das neue Netzwerk „Ausbilder Vorarlberg“ super, denn „der Input von anderen ist so wichtig“. Die beiden Ausbilder leben das schon. „Wir treffen uns ab und zu.“ Wenn ein Problem ansteht, hat ein kurzes Mail oder ein Anruf schon oft geholfen.

Darum geht es. Denn Ausbildung erfordert vollen Einsatz. AK-Präsident Hubert Hämmerle weiß das. Er hat selber lange junge Menschen angeleitet. „Das geht nicht nebenher.“ Er kennt das Gefühl, ständig alles neu erfinden zu müssen. „Aber das muss niemand. Wir wollen Euch unterstützen. Sagt uns, wie!“ 

Die Ausbilder, das betont der stellvertretende WK-Direktor Christoph Jenny, tragen hohe Verantwortung. „Auch Sie sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für Erfolg oder Scheitern einer Lehre.“

 

Ein Korb voller Ideen  

 

Das neue Netzwerk wird sich im kommenden Jahr wieder treffen. Eva King (AK Vorarlberg) trug am ersten Abend einen Korb voller Themenwünsche mit nach Hause. „Wir haben so wertvolle Rohstoffe“, sagt sie mit Blick auf die jungen Menschen. „Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, sie besser zu fördern.“ 

Seit 2009 bilde ich Lehrlinge aus, hauptsächlich Zerspaner. Unsere Werbung „Hast Du Meuser-Blut“ sagt‘s schon: Bei uns ist die Gemeinschaft einer der wichtigsten Punkte. Spürbar wird das auch, wenn wir zwei, drei mal im Monat gemeinsam etwas unternehmen, vom Fischertag bis zum Motorradausflug. Da kann jeder mit, vom Lehrling bis zum Chef. Wir sind auch alle per Du. Klar kommt nicht jeder gleich gut mit, auch in der Berufsschule. Dafür bieten wir Nachhilfe an. Das ist freiwillig, wöchentlich gibt es drei Termine. Da sind eigentlich fast immer drei, vier Lehrlinge dabei. 

 

 

Stefan Kohler,
Meusburger Wolfurt

Es ist für uns schon schwierig, jemanden zu kriegen, der wirklich anpacken will. Wir haben auch negative Erfahrungen gemacht. Der letzte Lehrling ist wieder gegangen. Seine Eltern arbeiten beide nicht, da war die Motivation gering. Aber jetzt haben wir ein Traumteam. Zwei angehende Restaurantfachleute und zwei Köche. Drei sind befreundet, die ziehen einander gegenseitig. Ein junger Koch zum Beispiel hat in der Schule manchmal Mühe, da helfen die anderen. Wenn wir gravierende Probleme haben, dann holen wir Hilfe von außen, Kammern, Berufsschulen, wir loten alles aus.

 

 

Katharina Benner,
Altes Gericht Sulz

 

Wir sind bei Alpla ein Team von vier hauptberuflichen Ausbildern. Ich bilde seit 2005 Zerspanungstechniker aus. In der Werkstatt stehen momentan zehn Lehrlinge. Wenn ich so an die vergangenen zwölf Jahre denke – da gibt es kein „Besser“ und kein „Schlechter“. Wir müssen uns halt an die veränderten kulturellen Gegebenheiten anpassen. Die Arbeit in einer Firma muss heute Spaß machen, das muss eine Freude sein. Um unsere Leute zu motivieren bieten wir ein umfangreiches Prämiensystem und internationalen Erfahrungsaustausch, durchaus auch in Mexiko und in Schanghai. 

 

 

Emanuel Immler,
Alpla Hard

 

Wir bilden zur Zeit eine junge Dame von 18 Jahren zur Personaldienstleistungskauffrau aus. Sie hat im September angefangen, und wir sind sehr zufrieden. Es fällt schon schwer, jemanden zu finden. In unserer Branche man muss flexibel sein. Die Aufgaben sind breit gefächert. Da geht es um Vertrieb, Buchhaltung, Recruting, Marketing usw. Das Berufsbild ist in Vorarlberg noch nicht so bekannt. Deshalb suchen wir auch über Social Media, das heißt Facebook, Instagram, Snapchat. Da finden sie dann z. B. ein Bild von Donald Duck, der ein Bündel mit der Aufschrift „Time to change“ trägt. Das und unsere Kontaktdaten. 

 

Mira Pipo,
Hofer Personal GesmbH



Wirtschaftskammer Vorarlberg

Wichnergasse 9

6800 Feldkirch

05522 / 305 0

info@wkv.at

Arbeiterkammer Vorarlberg

Widnau 2-4

6800 Feldkirch

050 / 258 0

kontakt@ak-vorarlberg.at

Land Vorarlberg

Römerstraße 15

6901 Bregenz

05574 / 511 0

land@vorarlberg.at